Kurzprosa

Kurzprosa

Zwischen den Zielen

Ein Schiffshorn weht lang herüber
und mit ihm Streifen der Erinnerung
- nur für Sekunden
Dann laufen Träger in rot
die Gangway hinauf
weit vornübergebeugt unter den Lasten

Am Boulevard zeigt das sündhaft teure Hotel
die Fassade feister Maharadschas.
Auf der Straße viel niederes Volk:
Seelenheiler und Beschwörer von Schlangen
Pulsmesser, Entferner von Ohrenschmalz
und solche, die nichts anzubieten haben
außer einer blanken Hand.

Um sie herum flimmert Hitze
hin zu den verfallenen Hallen
in denen Tee und Opium in staubigen Säcken lagen
für Damen in London und Süchtige in Shanghai.
Nun zeigen Kräne reglos übers Wasser.

Als die Fähre ablegt,
lässt das Schiffshorn
die vergangenen Monate vorbeilaufen,
unterstreicht sie.
Demnächst geht es zurück
in die alten Fremde
soviel ist sicher,
davon will man nicht lassen

Mittagswind streicht übers Meer.
Nur liegen will man hier auf Deck
und diesen lautgewordenen Abschied
hinwegziehen hören, besser: ihn mitnehmen,
Wegzehrung für Stunden, für die Spanne
zwischen dem verlassenen und dem erhofften Ort.
Dazwischen muss niemand sich entscheiden
für irgendwas

Prosa