Hörfunk - Reportagen

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Beziehung mit Biss
von Vierbeinern und Joggern

Hund und Läufer können nicht miteinander. Den Jogger treibt der sportliche Ehrgeiz, den Vierbeiner gelegentlich der Jagdinstinkt. Das beißt sich. Die Beziehungen sind oft von Rücksichtslosigkeit geprägt, und manchmal wird die Feindschaft gar offen ausgetragen. Es gibt Jogger mit Pfefferspray und ebenso Hundehalter, die höhnisch lächelnd ihr Machtspielchen genießen, während sie die Leine sorgsam zusammengelegt in der Hand halten. Wie aber kann man zu einer Lösung finden, die beiden Seiten gerecht wird?

Deutschlandradio Kultur, WDR 2004

 

Ziehen drücken wuchten
– Strongmen in Action -

Heinz Ollesch dominiert seit vielen Jahren den Strongmen-Cup. Das sind die Deutschen Meisterschaften im Gewichte heben, ziehen, drücken und tragen. Da werden pro Wettkampf Aberhunderte Kilo bewegt. 15 Vollstarke, Fleischberge, Muskelpakete fackeln nicht lange, sie packen zu und verrichten sonderbare Arbeiten.
Privat sind sie eigentlich recht nett und stellen einen ganz normalen Querschnitt der Bevölkerung dar. Da gibt es Bierkutscher, Ringer, Floristen und Psychologiestudenten, die halt in ihrer Freizeit alles Mögliche wuchten, was ihnen in den Weg kommt. Doch manchmal fragt man sich: Gibt es irgendeinen Grund, dass Erwachsene einen Lkw übers Gelände ziehen und Autos wie Schubkarren quer durch Tennishallen fahren? Die Zuschauer kümmert das nicht. Sie sind begeistert - und Orthopäden entsetzt.
Ein Nachmittag beim Strongmen Cup.

Deutschlandradio Kultur, Saarländischer Rundfunk, WDR 2007

 

Dosen sind lukrativ
ein Leergutsammler

Andrzej sammelt Leergut. En gros. Er geht strategisch vor. Meist wählt er Züge aus, in denen Fußballfans sitzen, samstagnachmittags vor dem Bundesligaspiel. Andrzej ist selbst BVB-Fan. Er sammelt im gelben Trikot von Borussia Dortmund. Die Fans kennen ihn und überlassen ihm bereitwillig ihr Leergut, kistenweise. Manchmal schenken sie ihm ein Ticket, und Andrzej kann sich das Spiel anschauen. Vorher bringt er noch die leeren Flaschen zu einem Supermarkt in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofes. Auch dort kennt man ihn.
Nach dem Spiel feiert er mit den Fans, steigt mit ihnen in den Zug, und sammelt wieder. Diesmal hautpsächlich Dosen, die die Fans für den Rückweg am Kiosk gekauft haben.
Dosen sind leichter und `lukrativer`, sagt Andrzej. Sie bringen jeweils 25 Cent.
Andrzej lebt von Hartz IV, wirkt meistens gut gelaunt, und nur in unbeobachteten Momenten wirkt er traurig. Und eigentlich ist Andrzej Diplom-Psychologe, unbeschäftigt.

SWR 2, DeutschlandradioKultur 2006

 

 

 

„Wir zwei sind ein gutes Trio“
wenn Fußballer den Mund auftun

„Der springende Punkt ist eigentlich der Ball“, sagt jemand, der es wissen muss. Aber leider wird rund um den Ball viel zu viel geredet. Vor allem wenn er ruht, nach Spielschluss sprudeln Worte, die so eigentlich nicht gesagt werden sollten: gewagte Windungen, verbale Grätschen, die nicht geahndet werden, Wortgewalt: „Die Breite ist an der Spitze dichter geworden“, sagt jemand, der einen Rhetorikkurs belegt, mithin das Reden immer wieder geübt hat. Zu viel trainiert, könnte man meinen. Wenn aber der Kopf nicht mitspielt, „stehen die Chancen 70 zu 50“, dass so mancher Satz die Intelligenzlinie in vollem Umfang unterschreitet. Das wiederum hat ein Nachspiel, da Journalisten „mit allen Abwassern gewaschen“ sind und solche Entgleisungen nur zu gerne aufgreifen.
Wo soll das hinführen? „Dann geht der Fluss den Bach hinunter.“ Aber das hat kein Fußballer gesagt, sondern ein Sportreporter. 25 Minuten Lachhaftes rund um das Leder.

Deutschlandradio Kultur, 2006

 

 

Putten auf Velours
Wenn Bürogolfer zum Schläger greifen

Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt, und so gibt es auch Bürogolf. Vor wenigen Jahren kam es aus den USA herüber und wird seitdem in Bankhäusern und den oberen Etagen mancher Versicherungskonzerne gespielt. Dort nutzen Angestellte die Pause oder vielleicht auch die Arbeitszeit, um sich beim Golfen ein wenig zu entspannen: Zwischen Schreibtischbein und Zimmerpflanze, Drucker und Schirmständer, von einem Büro ins andere und treppab darf der Ball nichts anderes berühren als den Teppichboden und den Schläger, um letztendlich in irgendeinem Loch zu landen. Wer gegen die Wand semmelt, kommt in die Strafrunde.
Alljährlich finden Meisterschaften statt. Agenturen richten Tourniere aus und sorgen für das Catering. In Münster bietet man diese Events in einem Gartencenter an, damit Geschäftsleute übers Golfen Kontakte knüpfen können; dabei wird nach Feng Shui-Kriterien gespielt, was immer das heißen mag.
Dieter Jandt hat sich in einer Bankfiliale und im Gartencenter zwischen die Golflöcher gestellt.

Deutschlandradio Kultur, Saarländischer Rundfunk 2008