Hörfunk - Feature

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen

„Opium heilt alles außer sich selbst“
- vom Abstieg einer göttlichen Droge -

Ein Feld voller Schlafmohnblumen kann ein romantischer Anblick sein. Ein paar Züge an der Opiumpfeife reichen aus, um den Geist auf der Lagerstätte ablegen zu können, in angenehmer Wunschlosigkeit. Nüchtern betrachtet kann man Opium als janusköpfiges Phänomen bezeichnen, als Rausch-, Heil- und Machtmittel.

Schon in der Antike wusste man den Rausch und die Heilkraft des Opiums zu schätzen und betrachtete es als göttliche Gabe. Das frühe Mekka galt als Umschlagplatz, viele Pilger erholten sich in kühlen Kellern zu einer Pfeife. In Venedig wurden opiumhaltige Tinkturen im Mittelalter öffentlich hergestellt. Im britischen Empire galt Opium als Allheilmittel auch für Kinder, während man im fernen China einen Krieg vom Zaun brach, um die Sucht der Menschen dort weiterhin bedienen zu können.

Im Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Laos und Burma finden heute noch kleine Kriege statt. Opium gilt dort, ebenso wie in Afghanistan, als Machtmittel. In abgelegenen Heroinküchen vollzieht sich der qualitative Abstieg für den Export in den Westen. Und dass die Bergvölker einen natürlichen Umgang mit Opium als Medizin pflegen - vielleicht ist auch dies nur eine Mär.

Deutschlandradio Kultur, WDR, ORF 2004

 

 

Liebe Lüge
ein Plädoyer für`s Geflunker

Eine Welt ohne Lüge ist ein Luftschloss. Dass nur noch ungehobelte Wahrheiten und nackte Fakten kursieren, schlicht nicht vorstellbar. Und überhaupt - wer will das schon? Nichts als die Wahrheit ist ungenießbar wie 100% iger Alkohol oder Konfitürenkonzentrat. Wollen wir uns nicht lieber im schäfchenweichen Bett der Lüge wälzen? Lug und Trug als Hüter der Seifenblase, als Illusionsspender?
Hier ein vorsätzliches Lob, dort eine berechnete Geste, eine Steuererklärung gestern, ein schwarzer Koffer heute, ein Seitensprung in Herne-Baukau, ein Besuch im Beichtstuhl. Die Lüge gehört zur Kommunikation ebenso wie die Offenbarung.
So haben gewisse Groschenblätter nicht von ungefähr die höchste Auflage, strotzen fadenscheinige Realiiy-Shows vor Quotenstärke. Entertain me. Nach Strich und Faden.
Wir lieben die Lüge - und den Lügner. Man bettelt ja geradezu darum, belogen zu werden, und Gründe für die Unwahrheit gibt es allemal. So ist die Liebeslüge wohl die prickelndste Form. Männer lassen sich bauchpinseln, und nicht umsonst sind Rotlichtbezirke die schamlosesten Orte, nicht nur, was das sexuelle Treiben angeht. Was hier geschmeichelt, gestöhnt und beteuert wird, geht auf keine Kuhhaut.
Werbedesign ist längst eine aufstrebende Fakultät für Jünger des Blendwerks, Manager erlernen in Rethorikseminaren das Handwerk verbaler Windungen: die Nadelstreifenlüge, die in seichtem Sermon Gewinnwarnungen herausgibt und locker Kollateralschäden vermeldet. Es ist eine Kunst und ein Wachstumsmarkt, Lug und Trug zu kultivieren, indem Wahrheiten fachgerecht verpackt werden. Wa(h)re Lüge.

Deutschlandradio Kultur, WDR, Hessischer Rundfunk, Deutsche Welle 2001

 

 

Strange Drinks
von Heil-, High- und Feuerwassern

Man muss schon weit reisen, um etwas Besonderes zu trinken zu bekommen: in die Vergangenheit oder über den großen Teich. Da wird ein Fremdenlegionär in ein Dschungelhaus eingeladen. Man reicht ihm ein pflanzliches Gebräu, in das die Indianer zuvor hineingespuckt haben, damit es gärt. Asiaten bevorzugen Schwalbenspucke. Sie glauben, dass sie Kraft verleiht. Das ist zwar ein Gerücht aber originell.
Früher gab es auch hier zu Lande Menschen mit Mut zu außergewöhnlichen Getränken. Metzger tranken Schweineblut. Nun bekennt sich nur noch der eine oder andere Bodybuilder verschämt im Internet dazu. Paracelsus schwärmte vom Trinkgold als Universalheilmittel – alles längst vergangen. Doch aufgemerkt: Es gibt Alchimisten, die die geheimen Rezepte wieder entdeckt haben. Wie wäre es mit einem Gläschen Gold zum inneren Aufbau? Von ähnlicher Farbe ist Urin. Die Gesellschaft für Harntherapie empfiehlt allmorgendlich ein Glas. Der eigene Körper als natürlicher Heilbrunnen – und es kostet nichts.
Nicht nur im Internet werden pflanzliche Extrakte aus Potenzhölzern angeboten. Und wer es wirklich halluzinogen haben will, der halte sich nach wie vor an den Anthropologen Carlos Castaneda und seine „Lehren des Don Juan“.
Warum gibt es keinen Drink-Scout, der all diese vergessenen Getränke wieder aufspürt? – Gibt es keinen?
Ein Feature mit Blut-, Harn- und Spucketrinkern, drift-off-drink-Designern und Vorkostern.

Deutschlandfunk, NDR 2007

 

 

Strömungen am oberen Mekong
- eine Reise der Kontraste –

Laos ist noch immer ein vergessenes Land. Die Lebensart ist langsam und beschaulich, etwa so wie das lehmbraune Wasser des Mekong zwischen den bewaldeten Bergen dahinzieht. Dabei gerät Laos immer mehr in den Sog der Nachbarn. China baut stromaufwärts riesige Wasserkraftwerke. Das hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Auch die Fischer klagen.
Auf den Anhöhen siedeln die Bergstämme. Nun aber werden sie von der Regierung in die Täler gedrängt - und alleingelassen. Ihre bislang praktizierte Brandrodung ist ökologisch nicht mehr vertretbar. Wie aber sollen sie sonst ihre Felder bewirtschaften?
In den Dörfern am Fluß zieht allmorgendlich eine Reihe von Mönchen die staubigen Wege entlang. Man sammelt Opfergaben. In Momenten wie diesen scheint die Zeit stillzustehen. Weiter flussabwärts feiern die Menschen traditionell das Neujahrsfest. Sie begießen sich gegenseitig mit Wasser, auf dass die Sünden und Sorgen fortgespült werden. Hinter den Tempelmauern lauern Novizen mit Kunststoffwassergewehren, auch dies ein Zeichen des Wandels.

Deutschlandfunk, SWR, Bayerischer Rundfunk 2000

 

 

www.magie.com
- Surfen auf datenlosen Geisterbahnen -

Naturwissenschaftler fegen in Quantensprüngen über Datenautobahnen, durchleuchten die tiefsten Meerestiefen, die trübsten Milchstraßen und die verborgensten Hirnzellen, nähern sich rasend der Allwissenheit und rauschen unter Umständen haarscharf daran vorbei.

Es gibt da eine gespenstische Lücke zwischen den Fakultäten. Phänomene, die man widerwillig einer unbestimmten Geistes- oder Glaubenskraft zurechnet. Die Parapsychologie, die sich als Wanderführer durch die Abgründe phänomenaler Welten und die Irrgärten des Psychomarktes versucht, befindet sich in einer Zwickmühle zwischen Beweisnot und magischen Indizien. Und der Feierabendspiritist der Ersten Welt kann getrost als Dilettant gelten, der den Faden zu transzendentalen Wahrnehmungen längst verloren hat.

Anders die Naturvölker. Dort bezeugen selbst aufgeklärte Feldforscher und Missionsschwestern gespenstische Szenen, da Gichtkranke während einer Séance ihre Krücken wegwerfen, Aktentaschen sich unvermittelt selbstständig machen und Fernzauber betrieben wird. Geisteskräfte, die Connections mit Ahnen und Dämonen knüpfen. Internet auf natürlicher Basis. Ist das global village dagegen nur ein Potemkinsches Kaff für Infos zweiten Ranges? Dorftratsch also? Lässt der allein technikbezogene Fortschrittsglaube etwa Ressourcen brachliegen? Oder ist alles nur ein Hirngespinst?

Deutschlandfunk, Hessischer Rundfunk 2001

 

alte

Hörproben

 

kinder